Wege aus der Sucht
- KREUZBUND Hamburg verstärkt sein Hilfeangebot -

Text als PDF downloaden (18,3 kb)

Christian S.* war am Ende. Er wusste, dass er trank. Zu viel trank! Seine Frau wollte sich mit den beiden Kindern von ihm nach 6 Jahren Ehe trennen. Seine Geschwister hatten sich langsam von ihm distanziert, weil sie die Alkoholprobleme ihres Bruders als ständige unlösbare Belastung empfanden. Und der Arbeitgeber hatte schon längst die Probleme mit dem Alkohol bei seinem Arbeitnehmer Christian S. erkannt. Aber der Chef wusste auch nicht, wie er seinen Mitarbeiter auf dieses Thema ansprechen sollte. Nur Christian S. war noch der Ansicht, dass er sich mit seinem Alkoholmissbrauch unauffällig in der Gesellschaft bewegen würde.

Nun aber stand er vor der Entscheidung: Der Alkohol oder seine Familie. Ihm war bewusst, dass er seine Familie für immer verlieren würde, wenn er seine Beziehung zum Alkohol nicht ein für alle mal beenden würde. Aber wie sollte er diese Trennung vom Alkohol schaffen? Für ihn ein aussichtsloses Unternehmen. Er steckte schon so tief in dieser Abhängigkeit zum Alkohol. Alles in seinem jetzigen Leben kreiste nur noch um diese legale Droge, die er sich überall so preiswert besorgen konnte. Er glaubte, nicht aufzufallen, weil doch alle Alkohol tranken und es genügend Anlässe gab, um das Zeug in sich hinein zu schütten.

Am Montagabend gegen 19.00 Uhr nahm Christian S. den Telefonhörer in die Hand und wählte die Telefonnummer (040) 46 38 32. Es klingelte das Telefon in der Geschäftsstelle des KREUZBUNDES in der Martinistraße 42, Hamburg-Eppendorf. Christian S. bat um schnelle Hilfe, weil er dabei war, alles zu verlieren: Die Polizei hatte ihm am Wochenende auch noch den Führerschein wegen Alkohol am Steuer abgenommen. Die Telefonnummer hatte er im Internet unter dem Suchbegriff „Suchthilfe“ gefunden und die Seiten des KREUZBUNDES Hamburg hatten ihm Mut gemacht, zum Telefonhörer zu greifen. Er hatte schon öfters versucht, ohne Hilfe aus dem Teufelskreis Alkohol auszusteigen, aber das schaffte er nicht. Er war am Ende, und er sah ein, dass es ohne die Hilfe anderer nicht ging. Er wollte wieder gesund werden und normal leben. Der Suchtberater Michael Hansen vom KREUZBUND fragte ihn daraufhin, was er tun wolle, um sich von seiner Sucht zu befreien. Christian S. stockte und sagte dann, dass er den KREUZBUND und seine Hilfen kennen lernen möchte. Ein erster Gesprächstermin zwischen Christian S. und Michael Hansen war umgehend vereinbart, wobei Michael Hansen auch um die Teilnahme der Ehefrau an dem Erstgespräch bat. Denn für Michael Hansen hat der Partner als Mitbetroffener oder auch genannt Co-Abhängiger die Höhen und Tiefen des Alkoholkrankheitsverlaufes in der Beziehung miterlebt, mit beeinflusst und mit erlitten, so dass auch er, der Partner, an einer gemeinsamen Beratung und eventuell Behandlung teilnehmen sollte. Der KREUZBUND sieht nämlich in der Suchtkrankheit auch immer eine Familienerkrankung, da Sucht immer etwas mit Beziehung zu tun hat. Das Suchtmittel als Ersatz für eine nicht gelungene Beziehung. Deshalb werden beim KREUZBUND die Angehörigen/ Partner in die Gruppenarbeit einbezogen.

Dass der KREUZBUND seine Beratung überwiegend in den Abendstunden anbietet, kam Christian S. sehr entgegen, weil er fürchtete, dass sein Arbeitgeber ihm für die Gespräche in einer Beratungsstelle für Suchtkranke nicht frei geben würde.

Eine Woche später erschien Christian S. mit seiner Ehefrau in der Geschäftsstelle des KREUZBUNDES. Von da an begann für Christian H. der Ausstieg aus der Sucht. Beide Eheleute waren erstaunt über die vielfältigen Angebote der Suchtkrankenhilfe und fasziniert von den Hilfen der Selbsthilfe- und Helfergemeinschaften für Suchtkranke und Angehörige. Der Besuch einer Selbsthilfegruppe, der mit zum Ausstiegsprogramm aus der Alkoholsucht gehört, wurde als erster Schritt vereinbart. Weitere Hilfen sollten in den folgenden Beratungsgesprächen mit Michael Hansen erörtert und dann auch umgehend umgesetzt werden.

Heute, nach Beendigung eines qualifizierten Entzuges von drei Wochen in einem Krankenhaus und einer ambulanten Therapie in einer Beratungs- und Behandlungsstelle für Suchtkranke, lebt Christian S. alkoholfrei und besucht mit seiner Ehefrau regelmäßig wöchentlich eine der Selbsthilfegruppen vom KREUZBUND in den katholischen Kirchengemeinden und Krankenhäusern.

Hier hat er die Weggefährten gefunden, die ihn mit ihrer eigenen vorgelebten Abstinenz durch ein alkoholfreies Leben begleiten. In den Gruppen spricht jede und jeder offen über sich, Erfolge, Freuden, Sorgen, Nöte, Probleme und Erfahrungen. Alle hören einander zu und erfahren so, wie andere den Weg aus der Suchtkrankheit gefunden haben. Die Gruppen werden von abstinentlebenden Alkoholikern geleitet. Das Prinzip der Selbsthilfe ist „Hilfe zur Selbsthilfe“ durch das offene Gespräch und die Begegnung in der Gruppe.. 85 % derjenigen Alkoholkranken, die regelmäßig eine Selbsthilfegruppe besuchen, leben dauerhaft abstinent.

Im Zusammenhang mit der zerstörerischen Sucht wird die Frage nach dem Sinn des Lebens von den Suchtkranken und Angehörigen häufig gestellt. Hier leitet Michael Hansen die Fragesteller an den Geistlichen Beirat des KREUZBUNDES, Pfarrer Norbert Krümel, weiter. Pfarrer Norbert Krümel stellt auch die Kontakte zu den Gemeinden, den Dekanatskonferenzen, Fachverbänden und Arbeitsgemeinschaften her, um dort gemeinsam mit Michael Hansen das attraktive Selbsthilfeangebot der Kreuzbund-Gruppen zu präsentieren. Dieses Angebot der beiden Weggefährten (denn beide sind auch als Förderer Mitglieder im KREUZBUND) fand bisher rege Resonanz im Erzbistum.

Michael Hansen, der seit dem 1. März 2006 in Teilzeit als Suchtberater für den KREUZBUND Hamburg tätig ist, versteht sich selbst als Suchthilfe-Lotse und Wegbegleiter für die Hilfesuchenden. Er informiert die ambulanten und stationären Einrichtungen der Suchtkrankenhilfe im Erzbistum Hamburg über die Selbsthilfeangebote des KREUZBUNDES und stellt sich gleichzeitig mit seiner persönlichen Arbeitsweise vor. Im Handgepäck hat er immer dabei das Infomaterial mit Internet-Adresse und Email-Anschrift des KREUZBUNDES. Viele Hilfesuchende nutzen heute das Internet, um sich über die Institutionen und deren Hilfen zu informieren. Für Michael Hansen sind diese Besuche und Kontakte sehr wichtig, um die Betroffenen gut und ausführlich über die Behandlungsmöglichkeiten zu unterrichten und sie dann in die Hilfeeinrichtungen zu lotsen. Wichtig sind für ihn auch die Kontakte zu niedergelassenen Ärzten und Krankenhäusern, die einen körperlichen Entzug mit Motivationsangeboten zur Weiterbehandlung vorhalten.

Der KREUZBUND stellt sich regelmäßig in diesen Krankenhäusern vor. Michael Hansen nennt in diesem Zusammenhang Zahlen, die sehr nachdenklich stimmen: 73.000 Todesfälle sind jährlich auf den Alkoholkonsum in Deutschland zurückzuführen. Allein der volkswirtschaftliche Schaden, der durch den Alkoholmissbrauch jährlich verursacht wird, liegt bei 20 Milliarden EUR.

Die Sensibilisierung der Öffentlichkeit für einen problembewussten Umgang mit Alkohol und anderen Suchtmitteln hat sich der Suchtberater zu einer weiteren Aufgabe gemacht. Im Juni dieses Jahres findet die Suchtwoche 2007 der Deutschen Hauptstelle gegen die Suchtgefahren in Zusammenarbeit mit dem ZDF unter dem Thema „Alkohol - Verantwortung setzt die Grenze“ statt. Der KREUZBUND Hamburg wird dabei sein und mitmachen!

Zusammen mit der evangelischen Selbsthilfe für Suchtkranke (Blaues Kreuz, Freundeskreise, ELAS) wird der Kreuzbund am 17. Juni 2007 um 18.00 Uhr in der Hauptkirche St. Michaelis in Hamburg einen gemeinsamen Vespergottesdienst gestalten. Dazu sind schon jetzt alle Betroffenen, Mitbetroffenen und Interessierten herzlich eingeladen.

Für weitere Fragen steht Ihnen Michael Hansen und der KREUZBUND Hamburg telefonisch unter der Rufnummer (040) 46 38 32 jeweils montags und mittwochs von 18.00 bis 20.00 Uhr zur Verfügung. Oder Sie schreiben ihm bitte eine Email: kreuzbund@hamburg.de. Infos über den KREUZBUND Hamburg erhalten Sie unter der Internet-Anschrift www.kreuzbund-hamburg.de - Schauen Sie mal rein! -

Michael Hansen Januar 2007

* Name von der Redaktion geändert

Text als PDF downloaden (18,3 kb)

zurück