Kreuzbund und Spiritualität Gedanken - Zitate - Überlegungen
Spiritualität bedeutet "Leben aus dem Geist". Der Geist, der die Menschen beseelt. Der "gute Geist".

Wie Menschen miteinander umgehen, darin zeigt sich der (gute) Geist. Der Geist "beflügelt" die Menschen und treibt sie zu einem menschlichen Leben an.

Spiritualität ist nicht gleichzusetzen mit Kirche, Spiritualität beinhaltet Glaube. Glaube an die Zukunft, Glaube an den Sinn im Leben. Leben von Mit-Menschlichkeit. Leben von Nächstenliebe und Hilfe (wie sie z. B. in den Gruppen praktiziert wird). Kreuzbund-Gemeinschaft kann zum Leben verhelfen.

Es geht um das Tun, die Fürsorge. Das Tun ist "caritas", Nächstenliebe. Die Selbsthilfegruppen des Kreuzbundes leben caritas.

Spiritualität beinhaltet auch die Auseinandersetzung mit der Sinnfrage. Fragen, die sich dem Menschen immer wieder stellen: "Woher komme ich? Wohin gehe ich? Wer bin ich? Was tue ich? Wie kann ich verantwortungsbewusst leben?" Fragen nach dem Sinn, Ziel und Hoffnung des Lebens.

"Denn so wie der Baum nicht endet an der Spitze seiner Wurzeln oder seiner Zweige, so wie der Vogel nicht endet an seinen Federn und seinem Flug, so wie die Erde nicht endet an ihrem höchsten Berg, so ende auch ich nicht an meinem Arm, meinem Fuß, meiner Haut, sondern greife unentwegt nach außen hinein in allen Raum und alle Zeit, mit meiner Stimme und meinen Gedanken, denn meine Seele ist das Universum"
(indianisches Gedicht).

Unser Leben enthält ein Verlangen nach Heilsein und Ganzsein, enthält ein Verlangen nach Vertrauen dürfen und enthält Sehnsucht nach Geborgenheit, um unserer Brüchigkeit standhalten zu können.

"Jeder hat das Bedürfnis, mehr zu sein als nur ein funktionierender Teil der Gesellschaft. Das Bedürfnis, dem eigenen Leben eine Größe und Würde zu geben. Jeder erlebt wohl diese technisch perfekte, aber doch auch geistlose (zumindest aber geistarme) Zeit auf seine Weise. Unser Leben verliert sich an der Oberfläche, und nicht wenige Menschen spüren in sich das Bedürfnis, ihr Leben nicht so dahinplätschern zu lassen, sondern ihm Tiefe und Inhalt zu geben. Spiritualität hat mit diesem Geist zu tun. Und das Anliegen jeder Seelsorge muss sein, Hilfe, hilfreiche Gedanken zu einem Leben aus dem Geist anzubieten."
(C.G. Jung, Bd. 16, S. 63)

"Suchtkrankheit ist immer auch eine Sinn-Krankheit und eine Beziehungs-Krankheit. Gerade auf dem Hintergrund dieser Erfahrungen kann es nicht darum gehen, Sinn-Fragen (vor-)schnell zu beantworten, sondern zunächst einmal darauf aufmerksam zu machen, sie in unserem Leben bewusst wahrzunehmen und zuzulassen und sie eben nicht wieder in unserem Lebens-Alltag einfach wieder zuzumachen oder wegzumachen durch irgendein Suchtmittel, das uns scheinbar hilft, diese Fragen zu betäuben, oder auch durch andere Fluchtwege, von denen wir genügend kennen. Auch Sattheit, vollgestopfte Wohnungen, konsumierte Beziehungen, Aufstiege auf der Karriereleiter oder ein sicheres Kontopolster auf der Bank decken diese Fragen nicht ‚erfolgreich' zu. Die Fragen (Woher? Wohin? Wozu? Warum?...) bleiben wie Kletten an uns hängen, sie machen uns unruhig, und sie machen uns Angst. Wir wollen uns ihnen nicht so gerne stellen. Doch alles Streben nach Glück, Selbstverwirklichung, Erfüllung bleibt erfolglos, wenn es dem Menschen nicht gelingt, seinen ganz persönlichen unverwechselbaren Sinn zu finden. Dafür muss er aber über sich selbst hinaus sehen können (Selbsttranszendenz)".
(Hermann Garritzmann).

"Das Menschsein weist immer über sich hinaus, auf etwas oder jemanden hin, auf eine Sache, in deren Dienst man sich stellt oder einen Mitmenschen, dem man sich liebend hingibt. Nur im Dienst einer Sache und in der Liebe zu einer Person wird der Mensch ganz er selbst, ist er ganz Mensch".
(Viktor E. Frankl)

Sinn kann allerdings nicht vorgeschrieben werden, Sinn kann nur entdeckt werden. Hinter dem Wort Sucht verbirgt sich die Sehn-sucht. Das Sehnen wonach?

Nach dem "Paradies", der Sinnerfüllung, dem Leben in Frieden und Harmonie, in gesunden Beziehungen.

Sehnsucht nach wirklichem, sinnerfülltem Leben.

Leben im Einklang mit sich selber. Leben in innerer Harmonie. Leben in innerem Frieden.

Sich selber annehmen, so wie man ist.

Leben in der Begegnung mit anderen, um in der Begegnung Liebe, Geborgenheit und Wertschätzung zu erfahren. ("Der Mensch wird am Du zum Ich", Martin Buber).

Im Leitbild des Kreuzbundes ist folgender Grundwert verankert:
"Orientiert am Handeln und Leben Jesu heißt der Kreuzbund jeden willkommen. Er macht keine Unterschiede in Religion, Hautfarbe, Stand, etc." Grundlage der Kreuzbundarbeit ist das Leben Jesu. Jesus Christus hat sich den Menschen zugewandt, ihnen Erlösung und Erfüllung versprochen und den Auftrag gegeben: "Liebet einander wie ich euch geliebt habe". So bieten Menschen im Kreuzbund einander Hilfe zur Selbsthilfe. Gemäß dem Satz: "Liebe deinen Nächsten wie dich selbst."
In der Menschwerdung Jesu erkennen wir, dass Gott als erster liebt.
1 Joh 4,19 lautet: "wir wollen lieben, weil er (Gott) uns zuerst geliebt hat". Jesus hat als erster geliebt und sich selbst verschenkt, weil die Liebe sein Wesen prägt. Gottes Liebe ist bedingungslos und grenzenlos. In dieser Liebe gab Jesus sein Leben für uns hin. Wenn wir dieser Liebe folgen, mündet sie in einer Nächstenliebe, die von Gott her lebt, die sich nicht entmutigen lässt. (vgl. die Worte des Diözesan-Caritasdirektors Dr. Thomas Willmann anlässlich der Gründung des DV Hamburg, s. WEGGEFÄHRTE 6/98, S. 8f.).
Wer sich von Gott beschenkt weiß, sich von Gott angenommen weiß, so wie er/sie ist, mit allen Fehlern und Schwächen, uneingeschränkt bejaht sich weiß, kann sich selbst neu erfahren. Und kann diese Erfahrung an andere weitergeben. Wer sich von Gott angenommen weiß, weiß auch um Vergebung. (Vgl. die Zusage Gottes in Jes 43, 1-7).

Gruppenarbeit im Kreuzbund
"In den Gruppen erfahren die Teilnehmer/innen lebensbegleitende Hilfen in der Ausrichtung auf abstinente, sinnvolle Lebensgestaltung, eigenverantwortliche Lebensführung unter Einbeziehung weltanschaulicher bzw. religiöser Bindungsmöglichkeiten. Dabei ist die Abstinenz nicht das Ziel unserer Arbeit, sondern die Voraussetzung zur ebenfalls notwendigen Neuorientierung der Persönlichkeit.
Das bedeutet im Einzelnen: Der suchtgefährdete und suchtkranke Mensch - selbstverständlich auch dessen Partner/in - bedarf der Stütze durch eine Gemeinschaft: Menschen suchen Menschen. Jede mitmenschliche Hilfe braucht nämlich das Ja zum Du und setzt damit die Bereitschaft zum Miteinander und Füreinander voraus, wobei die Sorge und Bereitschaft für den Mitmenschen zugleich ein Stück Sorge um sich selbst enthält.
(Julius Ilsen, Gruppenarbeit im Kreuzbund, S. 5)

Selbsthilfe gibt festen Boden
Der feste Boden bedeutet für viele Betroffenen zunächst die Selbsthilfegruppe. Ein sehr wichtiger Schritt ist das Annehmen-können der eigenen Person. Denn: "Gemeinschaft mit anderen Menschen kann ich nur erleben, wenn ich bereit bin, mich mit meinen Fehlern und Schwächen anzunehmen. Solange ich meine Schwächen verbergen muss, kann ich mit anderen nur an der Oberfläche Kontakt aufnehmen. Es scheint eine Art von Menschheitsgewissen zu geben, das jeden empfindlich bestraft, der nicht irgendwo und irgendwann den Tugendstolz seiner Selbstbehaltung und Selbstbehauptung aufgibt und das Bekenntnis seiner fehlbaren Menschlichkeit ablegt. Ohne dieses trennt ihn eine undurchdringliche Mauer vom lebendigen Gefühl, Mensch unter Menschen zu sein."
(C.G. Jung, Bd. 16, S. 63)

Mensch unter Menschen: den eigenen Wert erfahren, zu spüren und das Selbstwertgefühl zu pflegen. Schritt für Schritt im Gespräch mit andern kann erlebt werden, dass die Krankheit oft genug eine Chance ist, den Schatz in uns zu entdecken.

"Wenn wir nicht krank würden, würden wir weiterhin an der Oberfläche leben, weiterhin unser Wesen verfehlen".
(P. Bernhard Weber, caritas ´97, S. 357f.)

Suchtkranke Menschen und deren Angehörige sind auf Grund persönlicher Tiefpunkterfahrungen besonders sensibel für die Frage nach dem (Lebens-)Sinn.

Auch nicht religiös sozialisierte Menschen sprechen in Selbsthilfegruppen von "Auferstehung", "Neuanfang" oder "Geburt", wenn sie den Beginn ihres abstinenten Lebens beschreiben.

Judith Hüsken
Theologin

Der Kreuzbund Hamburg e.V. bedankt sich für die freundliche Unterstützung


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