Zur Vorgeschichte der Abstinenzverbände

Durch die Industrialisierung zu Beginn des vorigen Jahrhunderts und durch den dann auch industriell in großen Massen hergestellten Alkohol, der breiten Volksschichten zugänglich wurde, tauchte plötzlich das gesellschaftliche Problem der Trunksucht auf. Große soziale Missstände und die Entwurzelung breiter Volksschichten durch die Landflucht in die Industriezentren führten zur Verelendung, wenn der Alkohol zum Tröster wurde.

Einsichtige und verantwortungsbewusste Menschen propagierten die Mäßigkeitsvereine, die oft nur regional größere Bedeutung erlangten. Sie erlaubten den mäßigen Genuss von vergorenem Alkohol und lehnten nur den Verzehr des gerannten Alkohols vollständig ab.

Darin lag wohl der Hauptgrund, dass die erhoffte „Trinkerrettung“ nicht den erwarteten Erfolg brachte, obwohl es in Norddeutschland um 1840 bis zu 600.000 Mitglieder in den verschiedenen Mäßigkeitsvereinen gab. In Osnabrück war es der Kaplan J. M. Seling von St. Johann, er starb dort 1860, der als Einzelkämpfer segensvoll arbeitete. Das ihm zu Ehren errichtete Denkmal steht heute noch im Garten der Johanniskirche.

In Amerika wurden Indianerstämme oft mit Hilfe des „Feuerwassers“ ihr angestammter Lebensraum genommen und teilweise ihre systematische Ausrottung betrieben. Zugleich führten die schwierigen Situationen der Einwanderer zu riesigen Alkoholproblemen.

Hier gründete sich 1826 in Boston die Temperenz-Gesellschaft, die nach sieben Jahren schon mehr als eine Million Mitglieder hatte. Als Guttempler-Orden kam diese Idee dann über England und Skandinavien auch zu uns. In England gründete Kardinal-Erzbischof Dr. Henry Manning nach seiner Ernennung (1865) den Total-abstinentenbund.

Sein Mitarbeiter war der Kapuzinerpater Gabriel, der bei der Gründung des Kreuzbundes 1896 durch Kaplan Neumann, dem späteren Pater Anno, Superior des Aachener Kapuzinerklosters und enger Berater von Kaplan Neumann war.

In Genf gründete am 21. September 1877 Pfarrer Louis Lucien Rochat den „Mäßigkeitsverein vom Blauen Kreuz“, der 1885 in Hagen i. W. auf deutschem Boden Fuß fasste.
Ebenfalls in der Schweiz gründete Monsignore Savoy in Lausanne die „Katholische Kreuzliga“. Ein großer Förderer der Abstinenz war der Bischof von St. Gallen, Dr. Augustinus Egger, der gesagt hat:
„Jeder, der längere Zeit abstinent lebt, weiß, dass er sich einen lästigen Gast vom Leibe geschafft hat. Er fühlt sich so frisch, so froh, so frei wie nie zuvor.“

Zur Mäßigkeit sagte er: „So schön die Tugend der Mäßigkeit ist und so gut sie von einzelnen geübt wird, als Kampfmittel, d. h. zur Rettung des ganzen Volkes aus dem Alkoholismus bewährte sie sich nicht und kann das auch in Zukunft nicht. In allen Ländern hat man den Kampf mit dem Losungswort der Mäßigkeit begonnen, aber überall hat man nach einiger Zeit entweder entmutigt die Sache aufgegeben oder das Bedürfnis gefühlt, sich nach einer schärferen Waffe umzusehen und hat diese gefunden in der Abstinenz.“


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