Willst du gesund werden?

Unter diesem Motto stand am Sonntag in der Suchtwoche (14. – 18.06.2007) der ökumenische Gottesdienst in der Michaeliskirche in Hamburg.

Die Predigt wurde in der Weise eines Bibliologs gehalten, was für die meisten Besucherinnen und Besucher ungewohnt war. Der Prediger legte einen Text aus dem Johannesevangelium (Johannes 5,1-9) zugrunde und blieb nicht, wie man es kennt und gewohnt ist, am Pult stehen, sondern ging durch die Kirche und führte mit den Anwesenden einen Dialog.

In der Geschichte geht es um die Begegnung zwischen Jesus und einem Mann, der in Jerusalem am Teich Betesda 38 Jahre krank unter anderen Kranken darniederliegt. Unter ihnen sind Blinde, Lahme und Dürre. Von dem Teich heißt es, dass er heilende Wirkung hat, sobald er in Bewegung kommt. Wer dann als erster in das Wasser steigt, ist geheilt, mit welcher Krankheit er auch behaftet ist. – Überlegen Sie jetzt nicht, wie das möglich ist. Darüber haben wir kein Wissen.

Und diesen Mann fragt Jesus nun: „Willst du gesund werden?“ Was für eine Frage! Kann einer dümmer fragen?

Der Prediger ging nun in der Kirche umher und fragte die Anwesenden: „Kranker, wie reagierst du auf diese Frage.“

Die erste Reaktion, die von einer Frau kam, war: „Ich bin wütend über diesen Fremden, der mich fragt, ob ich gesund werden will. Natürlich.“ Und es gab weitere Stellungnahmen. Versetzen Sie sich einmal an die Stelle dieses Kranken, übernehmen Sie seine Rolle. 38 Jahre krank, bisher hat es nicht geklappt, um in das bewegte Wasser zu kommen, hoffnungslos, aussichtslos, Lebenserwartung ist nicht mehr sehr groß, Leben ohne Zukunft.

„Der Mann antwortete: Herr, ich habe keinen Menschen, dass er mich, wenn das Wasser bewegt worden ist, in den Teich werfe; während ich aber komme, steigt ein anderer vor mir hinab.“

Noch einmal nahm der Prediger mit den Besucherinnen und Besuchern dieses Gottesdienstes den Dialog auf. „Kranker, hast du es versucht? Warum hast du nicht probiert, als zweiter ins Wasser zu gehen?“ Und jede und jeder überlegte für sich weiter. – Immer zu kurz gekommen, allein gelassen, von den Menschen enttäuscht, mit der Hilflosigkeit nur auf sich gestellt, zu rücksichtsvoll, keine Durchsetzungskraft, innerlich kraftlos geworden, mit dem Schicksal abgefunden.

„ Jesus spricht zu ihm: Steh auf, nimm dein Bett auf und geh umher. Und sofort wurde der Mann gesund und nahm sein Bett auf und ging umher.“

„Gesunder, nun trägst du dein Bett zusammengerollt unter dem Arm. Was machst du mit deinem Bett?“, so fragte der Prediger. Stellen Sie sich vor, Sie haben Kraft in den Beinen, Sie können gehen. Sie verlassen die Krankenstätte. Sie tragen Ihre Isomatte unter dem Arm, auf der Sie 38 Jahre gelegen haben. Was machen Sie jetzt mit Ihrem Bett? –

Und damit schließe ich. Lassen Sie Ihre Phantasie spielen. Überlegen Sie heute oder in den nächsten Tagen, allein oder auch mit anderen, was Sie nach der Heilung mit Ihrem Bett tun werden. – Von einer Besucherin hörte ich, ihr erster Gedanke sei gewesen, das Bett bei E-bay anzubieten.


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