Was kommt nach der Rente?

Im Thalia Theater habe ich das Stück gehört und gesehen „Thalia Vista Social Club“. Im Jahr 2040 leben in einem Seniorenheim sechs hochbetagte Schauspieler, die sich auf die Suche nach der eigenen Vergangenheit machen und bei der Musik von heute lan-den. Musik, die bekannt ist. Wir erleben diese Gruppe im gemein-samen Tagesraum. Eine Altenpflegerin macht bei ihren Auftritten immer wieder bewußt, dass wir im Altersheim sind. Sobald sie den Raum verlassen hat, kommen die Alten in Schwung und leben in der Erinnerung. Die Alten wissen um ihr Altsein und die dazugehörenden Gebrechen. Sie unterhalten sich nur sehr indi-rekt über das Sterben und den Tod, obwohl auf dem Flügel eine Urne mit Asche steht. Die Altenpflegerin dagegen erinnert sie sehr drastisch wiederholt an das Ende und den Friedhof. Trotzdem be-schäftigt sich ganz gewiß jede und jeder mit seiner Zukunft. Einmal fragt einer von ihnen fast nebenher: „Was kommt nach der Rente?“ - So habe ich auch dieses Geistliche Wort über-schrieben.

Spätestens als Rentner kann man dieser Frage nicht ausweichen, wenn man ehrlich mit sich ist. Es ist ja der Zeitpunkt gekommen, an dem man keine große Zukunft mehr vor sich hat. Bis dahin gibt es immer ein Danach, auf das zugelebt wird.

Fragt man ein Kind: „Was möchtest Du werden?“, wird es sagen: „Ich will groß werden.“ Und das bleibt eine ganz Zeit so. Der Kin-dergarten, die ersten Schuljahre üben das Kind ins Großwerden ein. „Wenn ich erst einmal groß bin, dann muss ich nicht so früh schlafen gehen,“ und später „dann kann ich abends länger ausge-hen“. Das Kind sehnt sich, ein Jugendlicher zu werden. Und der Jugendliche: „Wenn ich endlich 18 Jahre alt bin, bekomme ich einen Personalausweis, ich mache den Führerschein. Niemand darf mehr über mich bestimmen. Ich ziehe aus und darf mir eine eigene Wohnung suchen.“

Das alles tritt ein. „Wenn ich endlich meine Ausbildung beendet habe und Geld verdiene, dann......“

Auch das ist eines Tages erreicht. „Wenn ich eine Partnerin, einen Partner finde, heiraten wir. Dann werden wir auch vielleicht Kin-der haben.“

Und dann? Es gehen die Jahre ins Land mit Freuden, Sorgen und viel Arbeit. Irgendwann kommt die Zeit, da die Eltern sagen: „Nun reicht es auch mit den Kindern. Sollen sie doch ausziehen und sich auf eigene Füße stellen. Es könnte bei uns im Haus etwas ruhiger werden.“

Die Alltagsaufgaben und –verpflichtungen lassen nicht viel Zeit für Hobbies und Freizeitbeschäftigungen. Und wieder heißt es: „Wenn ich erst in Rente bin, dann werde ich viel Sport treiben, spazierengehen, Konzerte besuchen, lesen, mich mit Freunden treffen, nur noch tun und lassen, was ich will.“

Der Rentneralltag kommt. Vielleicht muss man auch einmal ins Altersheim. Und die Überlegung wird Gegenwart. „Was kommt nach der Rente?“

Diese Frage ist nicht erst aber spätestens im Rentnerdasein aktuell. Sie stellt sich für viele nach der Lebensmitte, wenn auch noch in anderer Weise. Und der Herbst, und in ihm besonders der November mit seinen Totengedenktagen erinnert, dass alle die gleiche Fahrkarte des Lebens haben. Die Frage stellt sich unwei-gerlich, und die Antworten sind sicher unterschiedlich. Manche sagen ab einem bestimmten Zeitpunkt resignierend: „Jetzt geht es nur noch abwärts.“ - Ich wehre mich dagegen und habe das vielen alten Menschen gesagt. Sicher lassen die Kräfte nach, und wer sich als alter Mensch wie ein Jugendlicher aufführt, wirkt lächerlich. Für mich, und das muss jede und jeder für sich selbst entscheiden, habe ich eine Antwort für das, was ich nach der Rente erwarte. Nach meinem christlichen Glauben ist der Tod Durchgang zum Leben in der Herrlichkeit Gottes, von der wir nur in Bildern sprechen können. Und ich bin wirklich gespannt, was dann sein wird und wie das sein wird. Dieser Zeitpunkt muss nicht bald eintreten, er kann noch etwas warten, aber ich gehe auf ihn mit jedem Tag zu.


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