„Lieber Geld verlieren als Vertrauen“ - Robert Bosch

Als die Banken weltweit wegen ihrer Pleiten Tagesgespräch wurden und die Regierungen sich mühten, Schaden zu begrenzen und die Menschen nicht in Verzweiflung stürzen lassen wollten, kam in allen Beiträgen das Wort „Vertrauen“ vor. Alle Anfragen in den Medien über die Sicherheit der Spareinlagen begannen: „Wie sicher ist mein Geld? Kann ich darauf ver-trauen, dass mein Geld für die Alterssicherung, für Anschaffungen morgen noch auf der Bank liegt und ich darüber verfügen kann?“ Politiker sahen es als ihre wichtigste Aufgabe an, Vertrauen zu den Banken und den Banken untereinander wieder herzustellen.

Von Robert Bosch fand ich das Wort: „Lieber Geld verlieren als Vertrauen.“ Auch wenn Sie sich vielleicht noch niemals oder wenig theoretisch über das Vertrauen Gedanken gemacht haben, wissen Sie wie ich, Leben ist nur möglich, wenn man ohne ständige Überprüfungen ganz selbstverständlich Menschen und Institutionen vertrauen kann. Dass es sich hier um etwas Lebenswichtiges handelt, beweist ein Blick ins Internet unter diesem Stichwort. Es gibt 14.900.000 Eintragungen.

Als Wort geht Vertrauen seit dem 16. Jahrhundert auf das gotische Wort „trauan“ zurück. Sie hören schon das Wort „trauen“ heraus. Bis auf Hildegard und mich haben Sie alle vor Jahren sich getraut, mit einem Partner, einer Partnerin die Trauung zu feiern. Sie haben sich getraut, mit einem Menschen eine innige Verbindung einzugehen, die über Jahre andauern sollte, weil Sie dem Menschen, den Sie über eine kurze Zeit kennengelernt hatten, Vertrauen schenkten und noch schenken.

Vertrauen entwickelt sich aus dem Urvertrauen. Es ist eine Grundeinstellung, aus der man in allererster Lebenszeit lernt, Situationen und Menschen zu vertrauen. Überlegen Sie einmal, welche Situationen Ihnen aus Ihrer frühesten Kindheit einfallen, in denen Sie z.B. Eltern oder anderen Personen vertraut haben. Erwirbt ein Mensch diese Grundeinstellung nicht, kann sie im späteren Leben nicht nachgeholt werden. Dieses Urvertrauen wie auch das Urmisstrauen ist maßgeblich für alle spätere Entwicklung von Beziehungen.

Hauptpastorin Dr.Ulrike Murmann von St.Petri schreibt im Hamburger Abendblatt vom 26.10.2008:
„Ein Vater hebt seinen Jungen auf eine Mauer und fordert ihn auf herunterzuspringen. Der Junge traut sich nicht, sie ist ihm zu hoch.“ Der Vater verspricht, ihn aufzufangen. Der Junge zögert weiter. Endlich springt er. „Als der Junge herunterspringt, zieht der Vater die Arme zurück und tritt zur Seite. ‚Siehst du, mein Sohn, man darf keinem Menschen trauen...‘“
Jeder normal empfindende Mensch ist empört über den Vater. So läßt sich kein Vertrauen bilden. Menschliches Zusammenleben, Gemeinschaften sind dann zum Tode verurteilt.

Aus den unzähligen Zitaten zur Notwendigkeiten von Vertrauen nenne ich:
Gertrud von Le Fort, eine Dichterin: „Die Welt lebt von Vertrauen und stirbt am Misstrauen.“
Red Rock :„Vertrauen ist für den Mensch so notwendig wie das Wasser für den Fisch.“
Guido Möllering: „Wer nicht vertraut, kann nur im Bett liegen bleiben. Und selbst dann kann er nicht darauf vertrauen, dass die Decke nicht gleich einstürzt.“
Welche Erfahrung muss Lenin gemacht haben, dessen Behauptung uns sehr geläufig ist: „Vertrauen ist gut. Kontrolle ist besser.“
Nicht zu leugnen ist, dass jeder, der vertraut, immer das Risiko eingeht, enttäuscht zu werden. Vertrauen ist risikobehaftet. Die Grundeinstellung aber ist: Man hofft und erwartet, dass Vertrauen nicht enttäuscht wird. –

Ich kenne die Geschichte vom Vater und Sohn mit einem anderen Ende. Der Vater hält die Arme auf, und der Sohn wagt den Sprung und wird aufgefangen.
Weil unser Leben auch voller Risiken ist, sucht der Mensch nach einem letzten Halt, dem er restlos vertrauen kann und darf. Gerade in den Psalmen, dem ursprünglichen Gebetbuch der Juden, das dann auch das Gebetbuch der Christen geworden ist, finden wir viele Beispiele für Menschen, die sich Gott anvertrauen, ihm vertrauen. Gewiß mussten sie bis zu der Gewißheit „Auf Gott vertraue ich, fürchte mich nicht“ (Ps 56,5) einen langen Weg durchschreiten.
Manche schauten auf ihre Vorfahren und lernten von ihnen. „Auf dich vertrauten unsere Väter; sie vertrauten und du halfest ihnen. Auf dich vertrauten sie und wurden nicht zuschanden.“ (Ps 22,5f)

Mir kommen dabei Menschen in den Sinn, die in schweren und schwersten Situationen ihr Vertrauen mit dem Wort ausdrückten: „Der alte Gott lebt noch!“
Also: „Lieber Geld verlieren als Vertrauen.“


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