"Bin ich frei?"

In den letzten Wochen bis heute sind wir Zeugen für den Sturz in den Diktaturen Nordafrikas. In Libyen wird der Dikatator mit kriegerischen Mitteln bekämpft und soll zur Abdankung gezwungen werden. Im Nahen Osten demonstrieren Menschen gegen Regierungen. Mir ist überhaupt nicht bewußt gewesen, wieviele Jahre und Jahrzehnte diese Herrscher an der Macht waren und sich eine Hausmacht aufgebaut, und wir uns durch die Unterdrückung der Völker wirtschaftliche Vorteile erkauft haben. In China wird jede Demonstration im Keim erstickt. Aber für immer?

Die Reformation 1517 wurde durch die Buchdruckerkunst ermöglicht. Man konnte Gedanken schriftlich unter das Volk bringen und war nicht mehr auf einen kleinen Kreis von Zuhörern beschränkt.

Hitler benutzte den Rundfunk für seine Machtansprüche. Mit dieser Technik kam er über den Volksempfänger in jedes Haus und beschallte große Plätze.
Und hatte damit einen verbrecherischen Erfolg.

Menschen von heute werden über „facebook“ erreicht. Jede und jeder kann mit unzähligen Menschen kommunizieren.

Was wollen die Menschen – sehr oft junge Leute – mit der Auflehnung und Ablehnung der regierende Systeme? Über das Internet und die Ausbildung in hoch technisierten demokratischen Staaten sind sie mit Werten wie Freiheit und andere vertraut gemacht und suchen für sich und ihr Volk Freiheit.

Über Freiheit kann man im Internet unendlich viel nachlesen. In unserem Land kann ich frei leben, meine Meinung äußern, den Glauben praktizieren, die Abgeordneten wählen.

Ich greife einen Gedanken auf, der mich beschäftigt, und den ich als Frage über dieses geistliche Wort gestellt habe: Bin ich frei?

Vordergründig kann ich natürlich sagen: Ich bin frei und das seit meinem Renteneintritt noch besonders. Berufliche Zwänge gibt es ja für mich nicht mehr.

Trotzdem entdecke ich, dass der Mensch noch nicht frei ist, wenn er nicht mehr zur Arbeit gehen muss. Da wird mir in der Werbung, im Vorleben meiner Mitmenschen deutlich gemacht, was ich alles verpassen kann. Würde ich meine Zeit nicht noch besser ausnutzen, wenn ich auf dem Spaziergang über Kopfhörer einen Vortrag oder eine Nachricht oder ein Konzert anhörte?

Wenn ich mir dieses oder jenes Fotoprogramm auf den PC herunterlade, könnte ich doch die Fotos besser bearbeiten. Und seit mit der Digitalkamera fotografiert wird, habe ich über hunderte von Fotos aus einem einzigen Urlaub mitgebracht.
Ich meine, dass mein Fernseher mir über 50 Programme anbietet. Welche wichtigen Talkshows und Informationssendungen verpasse ich? Und so zappe ich bis in die Nacht hinein. Bin aber am Ende meist gar nicht zufrieden damit.

Über meine Gesundheit machen sich unzählige Firmen Gedanken und raten mir, mich auf diese oder jene Krankheit einmal durchchecken zu lassen. Und irgendetwas wird der Arzt ja finden.

Und wenn ich dieses oder jenes Präparat zusätzlich nehme, fühle ich mich besser und geschützt, wie man meint.

Die Reihe ließe sich fortsetzen, und jede und jeder kann für sich entdecken, was oder wer ihn und sie unfrei macht.

Gregor Brand (1957 – Jurist, Philosoph und Dichter) sagt in einem Aphorismus: „Will man in einer Gesellschaft, in der fast alles erlaubt ist, frei bleiben, muss man sich vieles verbieten.“

Dazu lädt die Fastenzeit oder österliche Bußzeit ein, die von Ascher-mittwoch bis zum Karsamstag, dem Samstag vor Ostern dauert. Früher hat man durch den Verzicht auf Speisen usw. gemeint, Gott eine Freude zu machen, seine Sünden zu büßen. Das müsste verdeutlicht werden, was ich jetzt nicht unternehmen will. Wir haben inzwischen herausgefunden, dass durch den Verzicht wir selbst Gewinner sind. Für die begrenzte Zeit von sieben Wochen übt der Mensch ein, eigene Fesseln zu sprengen und innere Freiheit zu erlangen.

Über diese Zeit hinaus hofft er, mit dem, was ihn unfrei macht, besser umgehen zu können.

Der gläubige Mensch wird darüber hinaus einen Bezug zu Gott finden. Was ihn nämlich unfrei macht, sind wie Götzen. Sie täuschen ihm vor, dass sie ihn glücklich machen. Sie lenken ihn von Gott ab, dem sie letztlich misstrauen.

Indem nun der Mensch auf das eine oder andere bewußt verzichtet, kann er die Zeit anders nutzen. Z.B., dass er die Bibel oder ein gutes Buch in die Hand nimmt oder ein Gespräch führt oder einen Kontakt neu aufleben läßt.

Indem nun der Mensch das eine oder andere – seinen inneren Schweinehund überwindend – körperlich tut, wachsen ihm Kräfte ohne Medikamente zu.

Ich habe mich für Fernsehverzicht und etwas mehr Sport entschieden.

„Man könnte! Man sollte! Man müsste! Mann, fang endlich an!

Hans – Jürgen Quadbeck – Seeger (deutscher Forscher * 1939)


zurück zur Auswahl