„Dein Reich komme!“ - 21.06.2014

Ich schaue gern Nachrichten im Fernsehen, im Internet. Ich höre mir die Nachrichten im Radio an. Ich lese gern Zeitung. Seit ein paar Wochen merke ich, dass ich manches an Nachrichten übergehe. Ich verzichte sehr bewußt, mich den Nachrichten auszusetzen. Ich gehe mit diesem Interesse sparsamer als früher um. Und das erfuhr ich auch von Freunden. Es sind Menschen, die ansonsten am politischen Leben teilnehmen und am Tagesgeschehen interessiert sind. Vielleicht kennt ihr das, und es ergeht euch ähnlich. Auch das Interesse an den Europawahlen vor ein paar Wochen war nicht besonders groß. Ich sehe einen Grund für dieses Verhalten darin, dass selbst hochrangige Politikerinnen und Politiker in der Öffentlichkeit von ihrer Ohnmacht, ihrer Hilflosigkeit und höchstens noch von ihrer Wut über die terroristischen Anschläge und kriegerischen Gewalttaten sprechen. Besonders deutlich wurde mir das in den Wochen der Krise in der Ukraine. Es fällt auch auf, dass in den Nachrichtensendungen immer nur die aktuellste gesendet werden kann. Die Baustellen sind so vielfältig, dass die Zeit für die Sendung nicht für alle Krisen ausreicht. Und dann bleibt uns doch kaum etwas anderes übrig, als resignierend auf Nachrichten zu verzichten. Viele suchen sich mehr denn je im Privatleben Nischen, um den Alltag auszuhalten. Die Angebote an Events in HH sind nicht mehr zählbar.

Mir ist die Hilflosigkeit hochkarätiger Politikerinnen und Politiker noch nie so bewußt geworden wie in den letzten Wochen. An ihnen läßt sich ablesen, wie auch sie die Weltangelegenheiten nicht einfach lösen können. Wie sie trotz ihrer Stellung Menschen sind.

Von großen Gestalten der Geschichte wissen wir, dass sie sich nicht ohnmächtig zurückzogen, weil sie im Gebet Kraft gefunden haben, ihre Pflichten und Verpflichtungen zu erfüllen. Bei Vereidigungen achte ich immer darauf, ob die Eidesformel mit dem Zusatz „So wahr mir Gott helfe!“ gesprochen wird. Deshalb bin ich sicher, auch heute unter diesen Frauen und Männern welche zu finden, die ihre Ohnmacht dadurch aushalten, indem sie beten. Sie vertrauen darauf, dass Gott unsere Zeit nicht entgleitet. Auch wenn das Gegenteil manches Mal eher angenommen werden muss. Dieser Gebetsgemeinschaft können wir uns anschließen. Eine der Vaterunserbitten heißt ja: Dein Reich komme. Damit bitten wir um das Reich Gottes, das uns Jesus vorgelebt hat. Auch er hat nicht die Vollendung dieses Reiches erlebt. Es ist kein Wolkenkuckucksheim. Kein Schlaraffenland. Kein Land, in dem wir die Hände in den Schoß legen dürfen. Christen glauben an dieses Reich, das im Kommen ist. Dazu gehört der persönliche Einsatz mit den je eigenen Fähigkeiten.

Und wenn man sein Tun durch das Gebet unterstützt, dann bewahrt man sich auch vor Überheblichkeit. Man ordnet das Tun in den Plan Gottes ein. Schaut man genau hin, lassen sich hier und dort Ansätze für dieses Reich Gottes unter uns erkennen. Ärzte bieten in HH Menschen Behandlung an, die aus dem Versicherungssystem herausgefallen sind. Wieviel Zuwendung bekommen in den Familien Kinder und auch alte Menschen. Auch in den Krisengebieten ist es vorhanden. Mich beeindrucken die riesigen Zeltstädte, in denen Flüchtlinge eine Unterkunft und Versorgung finden.

Es bleibt ohne Frage genug zu tun. Wir bauen mit unseren begrenzten Möglichkeiten an diesem Reich mit. In der Bitte um das Kommen des Reiches anerkennen wir, dass die Vollendung das Werk Gottes und nicht unsere ist.

Und so kann ich dann immer wieder Nachrichten ansehen, hören und lesen.

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