„Blickrichtung“ - 07.03.2015

Der Geburtstag ist zuende, und das junge Geburtstagskind soll nun schlafen gehen. Es möchte aber nicht. Es ist noch nicht Feier-satt. Die Eltern erklären, dass sein Fest jetzt zuende ist und morgen ein anderes Kind feiert, das den Tag sehnsüchtig erwartet. Wenn sein Fest nicht zuende ist, kann das andere Kind nicht feiern. Noch oft wird das Kind diese Erfahrung am Ende eines schönen Festes, am Ende eines erlebnisreichen Urlaubs machen. Wenn dieser Moment doch fortdauern könnte. Und auch Heranwachsende und Erwachsene müssen lernen, etwas abzuschließen und sich auf Neues einzulassen.

Eine der stärksten Berichte darüber finde ich im Evangelium. Die katholischen Christen haben davon am letzten Sonntag im Gottesdienst gehört. Es geht um das Erlebnis der Jünger mit Jesus auf dem Berg Tabor. Die Überschrift heißt: Verklärung Jesu. Jesus ist auf dem Weg nach Jerusalem, wo er sein Leben am Kreuz beenden wird. Er nimmt drei seiner Apostel – Petrus, Jakobus und Johannes – mit und führt sie auf „einen hohen Berg“, wie der Evangelist schreibt. Dort wird er „vor ihren Augen verwandelt, seine Kleider wurden strahlend weiß, so weiß, wie sie auf Erden kein Bleicher machen kann.“ Dann erscheinen Elija und Mose. Welche Rolle die hier spielen, übergehe ich. Mir geht es um die Reaktion des Petrus, der sich immer in den Vordergrund stellt. Er spricht Jesus an und sagt: „Rabbi, es ist gut, dass wir hier sind. Wir wollen drei Hütten bauen, eine für dich, eine für Mose und eine für Elija.“

Petrus möchte den Augenblick, der ihn überwältigt hat, festhalten. Das macht er mit dem Vorschlag vom Hüttenbau deutlich. Wer eine Hütte hat, hat einen festen Ort. Er hat einen Halt. Es heißt dann aber, dass die Gegenwart ihn einholt, er kann nicht festhalten, er muss aus der Erinnerung an dieses Ereignis leben.
Als ich meine angesammelte Post vor der Entsorgung durchsah, fand ich ein Gedicht, das überschrieben ist:


Erinnerungen - den Autor kenne ich nicht
Ich will damit aufhören, die
Vergangenheit zu verklären.
Die „gute alte Zeit“ hatte auch
Schattenseiten. Für alles Schöne
und alle guten Erinnerungen will
ich dankbar sein.

Doch ich lebe jetzt. Und jetzt will
ich zulassen, dass neue
Erinnerungen geboren werden.
Die neue Zeit wird nicht schlechter
oder besser – sondern anders.
Und wenn ich innerlich beweglich
und lebendig bleibe, dann wird es
eine gute, intensive Zeit.

Ich freue mich auf jeden Tag.


Dag Hammarskjöld war in den 1950er Jahren Generalsekretär der Vereinten Nationen. Am 17. September 1961 stürzte sein Flugzeug über dem heutigen Sambia ab. Die Ursache ist bis heute ungeklärt. Er war auf dem Flug zu einer Friedensvermittlung. Vielleicht wurde es abgeschossen. Sein spirituelles Tagebuch „Zeichen am Weg“ gehörte sehr lange auch über den Tod hinaus zur Pflichtlektüre.

Er fasst meine Überlegungen in dem Wort zusammen:
„Dank für das Vergangene und Ja zum Kommenden!“

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