Wie ist der Zugang zur Gruppe und was geschieht in der Sucht - Selbsthilfe?

Über die Krankheit Alkoholismus bzw. eine Abhängigkeitserkrankung zu sprechen und insbesondere über die problemspezifischen Belastungen, die sich daraus ergeben, ist für Mitglieder von KB-Gruppen in der Regel sehr wichtig.

Leidensdruck und tiefe Verzweiflung, das Gefühl, nicht mehr zu wissen, wie es weitergehen soll, ist für viele - Angehörige und Betroffene - das Motiv des Zugangs zur Gruppe. Der erste Gang allein in die Gruppe ist oftmals sehr schwer. Das Warten vor dem Gruppenraum, das Bewusstmachen, vor vielen Leuten sprechen zu müssen - führt oftmals zur Panik. Hier ist es gut, wenn eine Kontaktperson sich des Betroffenen/Angehörigen annimmt und ihn mit in die Gruppe begleitet.

Angehörige sind i. d. R. die ersten, die Kontakt zur Gruppe aufnehmen, die gehört haben, dass es eine Gruppe gibt und wo man sich treffen kann. - Sie nehmen Kontakt zur Gruppe auf und bitten ihren Partner mitzugehen. Dabei ist nicht ungewöhnlich, dass Betroffene meist zu Beginn nicht freiwillig in die Gruppe gehen. Sie tun es oft „dem Angehörigen zuliebe“, auch wenn „es mich ja eigentlich gar nichts angeht“. Sie tun es, weil die Angehörigen nörgeln und ja schon so lange bitten, der Arbeitgeber Druck ausübt, sie in der Therapie vermittelt bekommen, dass sie die Gruppe brauchen, wenn sie nicht rückfällig werden wollen. Sie gehen in die Gruppe, weil sie merken, es geht ihnen gesundheitlich schlecht, sie sind finanziell am Ende oder der Partner will sich scheiden lassen. - So besteht in der ersten Zeit eher Misstrauen gegen die Gruppe als Zuversicht und Hoffnung.

Es ist schwer begreifbar, dass Worte helfen sollen. Zu Beginn nehmen viele stumm und sprachlos und trotzdem voller Aufmerksamkeit die Gruppe bzw. die Gespräche wahr. Doch dann passiert etwas, was in Worten schwer zu vermitteln ist: Der Suchtkranke oder Angehörige erfährt, dass Menschen da sind „so wie du und ich“, und alle diese Menschen verstehen mich. „Ich fühle mich geborgen und aufgehoben“. Das intensive Zuhören trägt mit dazu bei, dass eine zuvor stark vorhandene Abwehrmauer aufgebrochen wird, und es möglich ist, sich zu öffnen.

Ein Zitat einer Weggefährtin: „Ich redete mir vieles von der Seele und merkte: Hier bin ich richtig. Hier sind die Menschen, die mich verstehen, die es hinter sich gebracht haben oder noch dabei sind. Sie geben mir die Unterstützung, mit Problemen anders umzugehen, anders zu handeln. Das regelmäßige Gespräch in der Gruppe hilft mir mich zu verändern, zu reifen und zu wachsen.“

Wolfgang Schneider, ehrenamtlicher Mitarbeiter im Kreuzbund

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