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Karwoche und Ostern

Gedanken zum Palmsonntag

Weggefährtinnen und Weggefährten!

Diese Karwoche wird wohl eine besondere Karwoche werden. So wie in letzter Zeit alles irgendwie besonders ist.

Eigentlich wollten wir in der Familie morgen am Palmsonntag in unserer Gemeinde den Einzug des Herrn in Jerusalem feiern. Die Kinder hätten - wie immer - Palmstöcke gebastelt. Wir hätten die Palmstöcke gesegnet und wären in dem Wissen nach Hause gefahren, dass nächstes Wochenende endlich Ostern ist. Vorher noch die Kartage, aber dann ist die Fastenzeit vorbei. Ostereier suchen, in der Großfamilie zusammen sein, lachen, gemeinsam den Frühling begrüßen - so wie in den letzten Jahren, so wie es in unserem Hause eben gute und schöne Tradition ist. Ich fürchte aber: Das wird nichts! Ostern und Corona ist einfach Mist!

Mir kommt der Gedanke, dass die derzeitige Situation eigentlich auch ein bisschen wie der Osterfestkreis im Kirchenjahr ist. Dieser beginnt Aschermittwoch, geht über die Fastenzeit bis zum Höhepunkt an Ostern und dauert dann noch bis Pfingsten.

Übertragen auf den ,,Coronakreis" sind wir momentan noch irgendwo in der Fastenzeit. Die wirklich dramatische Zeit (Kartage) kommt erst noch. Ich darf darauf hoffen, dass dann eine Zeit der Freude kommt, dass die Krise irgendwann vorbei ist (Ostern). Am Ende kommt dann auch noch Erkenntnis und eine neue Ara beginnt - damals als an Pfingsten der Heilige Geist auf die Anhänger Jesu kam und die Menschen sich auf einmal alle verstanden und wertschätzten und heute vielleicht wenn wir Menschen begreifen, dass unser sehr auf Besitz ausgelegtes Wertesystem einer Korrektur zum Menschen hin bedarf.

Liebe Weggefährtinnen und Weggefährten, die derzeitige Situation ist eine Krise internationalen Ausmaßes. Für viele von uns ist die Zeit momentan mit ganz unterschiedlichen Herausforderungen erfüllt. Als Jesus damals in Jerusalem einzog, wusste er bereits, was ihn dort erwarten würde. Erhobenen Hauptes stellte er sich der Krise. Als Kreuzbündler kennen wir uns ebenfalls mit Krisen aus.

Diese werden wir auch überstehen.

Lutz H. Neugebauer

 


 

Liebe Weggefährten,

wir erfahren in den letzten Tagen immer wieder, was alles abgesagt wurde, was abgesagt ist und was vermutlich noch alles abgesagt wird. Ich weiß nicht, wie es bei euch ist, aber mein Kalender ist so leer, wie schon ganz lange nicht mehr. Es stehen eigentlich „nur“ noch Video- und Telefonkonferenzen drin. Alles andere wurde, wie gesagt, abgesagt, verschoben oder fand ohne mich statt.

Eine gute Freundin von mir hat mir ende letzter Woche einen Text zugeschickt, den sie veröffentlichen wollte: 

Ich bin schlecht gelaunt
Ich will nicht meditieren. Ich will es mir zuhause nicht schön machen. Ich will mir nicht helfen lassen. Ich habe schlechte Laune.
Wir stecken fest. Wir verlieren täglich. Unsere gewohnten Alltag. Es sieht aus, als wäre alles, was gestern noch schön war, heute verboten.

Ich vermisse: nach Berlin fahren. Ins Kino gehen. Meinen Therapeuten treffen. Im Café an Texten arbeiten. Politik machen: mich mit richtig vielen Menschen treffen. Konferenzen. Viel unterwegs sein. Immer wieder Freunde von früher treffe und sie umarme. Ich vermisse den Blick in die Augen meiner Kunden. Ihre Fragen. Die Atmosphäre im Raum auf mich wirken zu lassen. Meinem Gegenüber ein bisschen aus dem Gesicht zu lesen. Eine Antwort, eine Unterstützung anbieten. Ich vermisse diese fast intimen Situationen. Ich vermisse meine Workshopteilnehmer/innen und ihr Interesse.

Als Coach habe ich einen ganzen Sack voll Techniken, die gute Laune zaubern. Selbstsorge war in den letzten Jahren arg hip, da hat so mache hilfreiche Technik die Runde gemacht. Ich will nicht. Mein Verlust fühlt sich die Tage so unfassbar an. Meine kleine Welt ist untergegangen und niemand kann sagen, wann und ob es je wieder gut wird.

Ich habe fünf Tage hinter mir, von dem nicht einer gut war.

Natürlich weiß ich, dass man immer was Schönes erkennen kann. Und ich weiß auch, wie dankbar mein Immunsystem mir wäre, wenn ich mich aufrichtig um Heiterkeit kümmere. Wenn ich jetzt Meditiere und Yoga mache, schreibe ich in einer Stunde einen motivierenden und positiven Text. Und glaube es mir in dem Moment auch.

Ich will nicht.
Kein Yoga. Kein Spaziergang solang es noch erlaubt ist.
Ich glaube, das ist Trauer.

Können wir das nicht einfach mal so stehen lassen? Unsere Trauer. Unsere miese Laune. Tief empfundene Ratlosigkeit. Unrasiert, mit wirrem Haar mäandern wir durch unsere Wohnungen. Glotzen auf das rumstehende Geschirr von gestern. Ich will nicht aufgemuntert werden. Bleibt mir fort.

Caroline Meder

 

Der Text hat mich sehr berührt. Und ich finde das darf auch so sein. Wir dürfen die derzeitige Situation mit all den Einschränkungen auch (mal) doof finden und unserem Ärger darüber Luft machen und Raum geben. Wir müssen nur darauf achten, dass dieser Ärger und unsere Wut und Trauer nicht unseren neuen Alltag bestimmen.

Kurze Zeit später haben mich dann folgende Zeilen von einem mir unbekannten Verfasser erreicht

Die Sonne ist nicht abgesagt.
Das Lachen ist nicht abgesagt.
Der Frühling ist nicht abgesagt.
Träume sind nicht abgesagt.
Glaube ist nicht abgesagt.
Hoffnung ist nicht abgesagt.
Hilfsbereitschaft ist nicht abgesagt.
Und auch Beten nicht . . .

Ich finde, das ist eine sehr schöne Antwort auf den vorstehenden Text. Vielleicht macht er uns die Situation ja ein bisschen erträglicher!

Herzliche Grüße
Lutz H. Neugebauer


Geduld ist das Schwerste
und das Einzige,
was zu lernen sich lohnt.
Alle Natur, alles Wachstum, aller Friede,
alles Gedeihen und Schöne
in der Welt
beruht auf Geduld,
braucht Zeit, braucht Stille,
braucht Vertrauen.

(Hermann Hesse)

 

Liebe Weggefährten und Weggefährtinnen,

am unseren letzten Kaminabend hatten wir das Thema Freundschaft.
Wir haben erfahren, das Freundschaften uns über Krisen hinweg helfen können. Nun erleben wir alle eine Krise, die uns und unser soziales Verhalten auf den Prüfstand stellt.

In unseren Kreuzbund-Gruppen haben wir gelernt bzw. lernen wir immer wieder, was es heißt, Weggefährten zu sein. Hier finden wir Verständnis und Geborgenheit. Hier beginnt mein Vertrauen zu Menschen wieder zu wachsen. Hier kann ich neue Freude am Leben und Freunde fürs Leben finden.

Gemeinsam sind wir stark. Und diese Stärke brauchen wir auch jetzt, um die Corona-Krise zu bewältigen. Gemeinsam haben wir auch der Sucht gezeigt, dass es andere Lösungen gibt:
Zusammenhalt und Verbundenheit, Vertrauen, Rücksicht, Hilfsbereitschaft und Wertschätzung.

Ich wünsche uns allen beste Gesundheit und Gottvertrauen.

Euer
Michael Hansen

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