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neue KIRCHENZEITUNG Ausgabe Nr. 8 vom 23. Februar 2020, Seite 9

Gemeinsam stark gegen die Sucht

Kornblumenblau! Zu Karneval schlägt man gern über die Stränge. Aus vielen feucht fröhlichen Festen kann eine ernste Krankheit werden. Dann ist es gut, wenn man Hilfe findet. Zum Beispiel im Kreuzbund.

Hamburg (ahü). Im Gegensatz zu anderen Krankheiten betrifft Alkoholsucht in der Regel nicht nur den Alkoholiker. Auch seine Familie und sein Umfeld sind in der Regel betroffen. Und dass oft die Alkoholkrankheit mit Tabuisierung und Verheimlichung einhergeht, macht den Umgang mit dieser Suchtkrankheit nicht einfacher. Darum ist es gut, wenn Alkoholkranke nicht alleine bleiben. Dafür sorgen Selbsthilfegruppen wie der katholische Kreuzbund. „Von allen Diözesanverbänden in Deutschland sind wir der kleinste“, sagt Hans Peter Masseida. Er ist seit zwei Jahren Vorsitzender des Kreuzbundes im Erzbistum Hamburg. Die drei bestehenden Gruppen mit derzeit 40 Mitgliedern treffen sich in Hamburg-Bergedorf, -Barmbek und -Hohenfelde. Vieles, was in den Zusammenkünften geschieht, unterscheidet sich gar nicht viel vom Leben anderer Vereine.

Man unterhält sich, macht Ausflüge, es gibt Kaminabende und Vorträge. „In den Jahren haben sich viele Freundschaften entwickelt“, sagt Hans Peter Masseida. Und das ist gut. In einer solchen Gruppe aufgefangen zu sein, schützt vor Rückfällen. „Denn Alkoholismus ist eine Rückfall-Krankheit.“  Aber während die Rückfallquote ohne Einbindung in eine Selbsthilfegruppe bei 30 bis 40 Prozent liegt, sind es in einer Gruppe nur 10 Prozent.

Wer zehn Jahre nichts trinkt, ist „staubtrocken“

Zehn Prozent, diese Zahl sagt auch: Die Gefahr, wieder zur Flasche zu greifen, ist nicht ganz gebannt. Nicht für jemanden, der gerade aus einer Therapie kommt, aber auch nicht für die „Staubtrockenen“. So nennen die Insider jene, die mehr als zehn Jahre keinen Schluck Alkohol getrunken haben. Und: Wer einmal alkoholkrank ist, wird niemals zu einem „normalen“ Trinkverhalten zurückkommen. Auch wer wieder anfängt zu trinken, findet in der Gruppe Halt. Denn dort findet er Menschen, die die gleichen Erfahrungen gemacht haben. Dort können Betroffene leichter die Scham überwinden, die fast immer mit der Krankheit verbunden ist. „Das erlebe ich bei Gruppengesprächen in Krankenhäusern.

Hans-Peter Masseida
Hans-Peter Masseida ist Hamburger Diözesanvorsitzender des Kreuzbunds

Die Leute werden offener, wenn wir als selbst Betroffene da sind.“ Oft sind es noch nicht einmal die Alkoholkranken, die das Angebot des Kreuzbundes nutzen. „Die wichtigsten Gespräche führe ich mit den Angehörigen“, berichtet Masseida. „Viele Angehörige wissen nicht, wie sie sich verhalten sollen. Und viele fühlen sich selbst schuldiger als der Partner, der trinkt.“ Demnächst wird es für sie und andere noch leichter sein, mit dem Kreuzbund in Kontakt zu treten. Denn Hilfe soll es künftig auch per online-Beratung geben.

Kontakt:
Hans-Peter Masseida (Gruppe Barmbek): Tel. 0172 / 664 89 10
Raj Pal (Gruppe Bergedorf):   Tel. 0171 / 830 17 11
Dieter Fleischmann  (Gruppe Lübecker Straße):  Tel. 0171 / 520 58 34

Internet:  www.kreuzbund-hamburg.de

(Quelle: neue KIRCHENZEITUNG Ausgabe Nr. 8 vom 23. Februar 2020, Seite 9)


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WEGGEFÄHRTE Ausgabe Nr. 2/2020, Seite 18

Das „Hansenbarg“ und ich, eine Begegnung der anderen Art

Wir schreiben das Jahr 2015. Nach einem Leben, welches in den letzten ca. 20 Jahren mehr oder weniger durch
den Alkohol geprägt war, bin ich nun nach zwei erfolglosen Entgiftungen und mit dem Wunsch auf eine zufriedene Abstinenz im Fachkrankenhaus Hansenbarg angekommen. Es ist mein ganz persönlicher Wunsch. Die Aufnahme in die Suchtklinik habe ich persönlich eingeleitet.
Nach dem letzten Absturz bin ich im Krankenhaus mit verbundenem Schädel und nach Meinung der behandelnden Ärzte nur mit viel Glück und auf Grund meines eisenharten Schädels wieder aufgewacht. Das war knapp und mein persönlicher Tiefpunkt.

Die Gründe für den suchtmäßigen Alkoholkonsum sind in den bekannten Feldern zu suchen. Probleme in Beruf, Familie, Kindheit – die Gründe sind vielschichtig  und wohl auch in meiner bis dahin in mancher Hinsicht von mir fehlinterpretierten Selbstwahrnehmung begründet.


Gut drei Monate Therapie liegen vor mir. Sie vergehen wie im Fluge. Ich lerne Ärzte, Therapeuten und vor allem Mitbetroffene kennen und schätzen. Mir  wurde klar, dass der „kleine Fiesling“, das Suchtgedächtnis, hinter jeder Nische im Gehirn auf seine Chance lauert. Durch die Therapie habe ich gelernt, wie ich ihn dauerhaft in den Griff bekomme. In dieser Zeit habe ich in Zusammenarbeit mit dem gesamten Klinikteam meine persönlichen und beruflichen Probleme wieder in den Griff bekommen. Wege aus der Sucht wurden mir aufgezeigt.

Als Selbsthilfegruppe habe ich mir aus verschiedenen Gründen den Kreuzbund gewählt. Meiner Meinung nach ist der Besuch einer derartigen Institution zur
Stabilisierung eines dauerhaften Suchtmittelverzichts unumgänglich.

Heute schreiben wir das Jahr 2020. Ich lebe in meiner zufriedenen Abstinenz und bin dankbar für die mir entgegengebrachte Fürsorge, Hilfe und Aufmerksamkeit. Somit war es für mich unverzichtbar und ein sehr persönliches Anliegen,

Das Fachkrankenhaus Hansenbarg, eine Rehabilitationseinrichtung für Abhängigkeitserkrankungen in der Nähe von Hamburg

etwas zurückzugeben. Was kann es Sinnvolleres geben, als an den Ausgangspunkt der Erfolgsgeschichte zurückzukehren und betroffenen Suchtkranken einen positiven Weg aus der im Endeffekt tödlichen Spirale aufzuzeigen?

Im Rahmen der Vorstellung von Selbsthilfeeinrichtungen im „Hansenbarg“ vertrete ich jetzt unsere Gruppe an mehreren Terminen im Jahr. Das jeweilige Kennenlernen und die daraus entstehenden Gespräche sind für mich immer eine Bereicherung. Letztendlich sind jedoch alle Betroffenen selbst für den Erfolg der Therapie verantwortlich. Für mich war der Aufenthalt im „Hansenbarg“ in der Nordheide auf alle Fälle der Beginn einer Reise in eine hoffentlich dauerhafte abstinente Zukunft.

Gunnar Wanke (61), Vorstandsmitglied im
DV Hamburg

(Quelle: WEGGEFÄHRTE, Nr. 2/2020)